Der Körper arbeitet
Newsletter #2 der Sri Lanka Serie
Heute: was tatsächlich passiert, wenn man sich vier Wochen lang einem ayurvedischen System anvertraut.
Und vorweg: Ich wusste, dass das körperlich wird. Deshalb bin ich ja gegangen. Aber etwas intellektuell zu wissen, und es dann mit dem ganzen Körper zu spüren, sind zwei verschiedene Welten. Genau dieses Spüren war, was ich gesucht habe.
Weligama im Morgennebel - Ausblick vom Yoga Raum
06:00 Uhr - der Tag beginnt bewusst
Der Tagesablauf lässt keine Fragen offen. Um 06:00 Uhr die erste ayurvedische Medizin, dann Yoga und Pranayama, die ayurvedische Atemarbeit.
Der Yogaraum liegt im siebten Stock. Der Blick ist spektakulär: auf einer Seite tropischer Wald bis nach Weligama, auf der anderen der Indische Ozean. Jeden Morgen, noch bevor der Tag richtig begonnen hat.
Das Yoga selbst überrascht mich. Die Chants, das Om, alles fühlt sich so natürlich an. Unverkrampft. Selbstverständlich.
Und dann, in den ersten Tagen, eine Erkenntnis, die mich trifft: Mein Körper ist wahnsinnig unbeweglich. Nicht wegen starrer Gelenke oder zu kurzer Bänder, sondern weil ich jahrelang Spannung gehalten habe. In den Muskeln, in der Haltung, im Atem.
Vielleicht kennst Du das auch. Dass Du Dich erst dann entspannst, wenn Du in einem Yogakurs liegst, am Strand bist oder im Urlaub. Und merkst: alle anderen Tage hat Dein Körper still gearbeitet, Spannung zu halten, von der Du nichts wusstest.
Beim Pranayama merke ich es besonders deutlich. Mir fällt es schwer zu folgen, den Atem anzuhalten, den Rhythmus zu finden. Der Atem, der eigentlich das Natürlichste der Welt ist, lässt sich von mir kaum bewusst steuern.
Das Schwimmen am Morgen im Pool oder im Ozean wird zu meinem Ritual. Ich reinige mich energetisch, bevor der Tag beginnt. Das Wasser trägt.
Was Ayurveda wirklich behandelt
Hier wird es interessant. Denn das zentrale Konzept, um das sich in den nächsten Wochen alles drehen wird, heißt Ama.
Ama ist im ayurvedischen Sinne alles, was sich im Körper angesammelt hat und ihn aus dem Gleichgewicht bringt. Und jetzt kommt der Punkt, der mich tief bewegt hat: Ayurveda unterscheidet dabei nicht zwischen körperlichen und seelischen Ablagerungen.
Ama bedeutet: Stoffwechselprodukte, aber auch gespeicherte Emotionen, alte Gedanken, ungelöste Traumata.
Das ist eine ganz andere Perspektive als die, mit der die meisten von uns aufgewachsen sind. Üblicherweise trennen wir Körper und Psyche als zwei separate Bereiche. Ayurveda tut das nicht. Was sich festsetzt, setzt sich fest. Unabhängig davon, ob wir es später „Stoffwechselschlacke“ oder „emotionale Blockade“ nennen würden. Der Körper speichert alles, und alles ist Ama.
Wenn man das verstanden hat, ergibt plötzlich Sinn, warum eine ayurvedische Kur so tief wirkt. Sie reinigt eben nicht nur den Darm.
Die Werkzeuge
Akupunktur beginnt jeden Morgen. Interessant: Die Wurzeln der Akupunktur liegen tatsächlich im ayurvedischen System der Marma-Punkte, das einst durch buddhistische Pilger von Indien nach China gelangte. Zwei uralte Traditionen, eine gemeinsame Wurzel.
Abhyanga, die ganzkörperliche Einölung mit warmem Öl, bereitet den Körper vor. Täglich. Intensiv. Meine Ärztin stimmt alles auf mein energetisches Gleichgewicht ab.
Und dann, nach Tagen der Vorbereitung, die eigentliche Reinigung.
Virechana ist eine der klassischen Reinigungsbehandlungen des Panchakarma (wörtlich: die fünf Handlungen), dem körperlichen Reinigungsherzstück der ayurvedischen Medizin. Technisch: eine kräuterbasierte Abführung. Praktisch: ein ganzer Tag, der nach innen gewandt ist. Basti, Einläufe über die kommenden Tage, ergänzt den Prozess. Körperlich und psychisch fordernd, aber genau deshalb wirksam.
In den alten Schriften heißt es: „Aus einer unreifen Mango kann man keinen Saft ausdrücken. Sie muss vorher erst zum Reifen gebracht werden.“
Der Körper braucht Vorbereitung, bevor er loslassen kann. Tagelange Ölungen, Schwitzbehandlungen, Ernährungsumstellung. Erst dann ist er bereit.
Das Rezeptionsgebäude des Resorts am frühen Abend
Was innerlich geschieht
Am Tag des Virechana lege ich mir die Karten. Nicht behandlungsplan-typisch, aber für mich selbstverständlich. Was ich bekomme: ein Hinweis auf meine Existenzängste, eine Einladung zum Vertrauen.
Und während der Körper ausleitet, leitet auch etwas anderes aus. Alte Ängste, alte Überzeugungen, alte Gedankenmuster. Nicht dramatisch, nicht laut. Einfach: sie sind da, und dann sind sie weniger.
Die Psyche hinterlässt ihre Eindrücke im Körper. Und der Körper trägt, was der Verstand längst verdrängt hat. Beide Ebenen lassen los, wenn man ihnen den Raum dafür gibt.
Du brauchst keine vier Wochen Sri Lanka, um den ersten Schritt davon zu machen. Wenn ein Gefühl hochkommt - Ärger, Wut, Aufgewühltheit - kannst Du Dir den Erdstrom in Erinnerung rufen, diese lebendige Verbindung zu Mutter Erde. Und das Gefühl in den Strom geben, nach unten, in die Erde. Mutter Erde nimmt es. Sie nimmt es gerne und Du darfst es in Dankbarkeit an sie abgeben. Genau diese Mikro-Praxis ist das zweite Werkzeug in der Klang-Meditation ‚Entfache Deinen Funken‘.
Was ich mitnehme
Der Körper erinnert sich an Dinge, die der Kopf längst vergessen hat. Das wusste ich vorher theoretisch. Nach diesen vier Wochen weiß ich es anders.
Es ist nicht die Erkenntnis, die wirkt. Es ist das Erlebnis.
Lass Deinen Funken leuchten ✨
Anja