Menschen, Zimt und was bleibt
Newsletter # 4 der Sri Lanka Serie
Heute der Abschluss meiner Sri-Lanka-Serie. Drei Newsletter sind schon gelaufen, heute kommt das, was von diesen vier Wochen wirklich geblieben ist. Die Menschen, ein Moment der Selbstzweifel, eine Geburtstagstorte, eine Insel voller Zimt. Und am Ende eine Erkenntnis, die ich mit nach Hause genommen habe.
Menschen, die bleiben
Ich lerne Menschen kennen. Wundervolle Menschen. Gemeinsames Lachen, tiefe Gespräche, Momente, die sich anfühlen, als hätte man sich schon immer gekannt. Einigen lege ich die Karten, und ich erlebe live, wie Tarot Türen öffnet, wie Menschen plötzlich sich selbst sehen.
Menschen reisen ab, andere kommen. Einige vermisse ich wirklich. Mit neuen entstehen neue Gespräche, neue Verbindungen. Das Resort bleibt dasselbe, und ist doch jeden Tag anders.
Mittendrin: der Zweifel
Ist das Coaching-Business wirklich das Richtige für mich? Kann ich das? Will ich das überhaupt? Was habe ich mir nur dabei gedacht, mich selbständig zu machen?
Der Kopf dreht seine Runden.
Aber mein Herz ist still. Und sicher. Ich bin auf dem richtigen Weg.
Das war einer der klarsten Momente der ganzen Reise. Nicht die Abwesenheit von Zweifeln, sondern eine tiefere Schicht darunter, die weiß.
50 Kerzen, mitten in Sri Lanka
Mitten in all dem, mein 50. Geburtstag. Ich habe mir diese Reise selbst geschenkt. Bewusst. Als Einladung an mich.
Was mich tief berührt hat: die Fürsorge der Mitarbeiter im Resort. Mein Zimmer wurde liebevoll mit Ballons und Blumen dekoriert. Mein Tisch im Speisesaal war festlich geschmückt. Abends sangen die Kellner mir ein Ständchen, und ich bekam eine Geburtstagstorte.
Ich hätte fast geweint.
Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal einen Geburtstagskuchen geschenkt bekommen habe.
Wann hast Du zuletzt einfach annehmen dürfen? Etwas, das Dir geschenkt wurde, ohne dass Du es eingefordert oder dafür gearbeitet hast? Für viele von uns ist Geben das Vertraute. Annehmen ist die Übung, die schwerer fällt.
Annehmen. Wieder dieses Wort. Diesmal mit Kerzen drauf.
Cinnamon Island - das Gold der Insel
Ein Tagesausflug führt uns zur Cinnamon Island. Die Bootsfahrt ist idyllisch: stilles Wasser, tropisches Grün, Vogelstimmen. Unser Führer klärt uns entspannt auf: das Gewässer ist voll mit Krokodilen. Zum Schwimmen also eher ungeeignet.
Die Insel selbst entschädigt für alles. Hier wird Zimt hergestellt, und zwar so wie seit Jahrhunderten: vollständig von Hand. Keine Maschinen. Kein Fließband. Alles Handarbeit. Die Äste des Zimtbaums werden abgeschlagen, die äußere Rinde entfernt, die dünne innere Rinde schichtweise abgetragen und zu filigranen Stangen gerollt. Im Schatten getrocknet, täglich von Hand nachgerollt, damit sie nicht brüchig werden. Und am Ende im Mörser zermahlen. Jedes Gramm Zimtpulver trägt die Arbeit von Menschenhänden in sich.
Was ich auch erst recherchieren musste: Sri Lanka produziert nur etwa 9% des globalen Zimtvolumens, hält aber 90% des Weltmarktes für echten Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum). China, Vietnam und Indonesien dominieren mengenmäßig mit billigerem Cassia-Zimt. Der feine, milde, cumarinarme Zimt aber, der echte, kommt aus Sri Lanka.
Ein Gewürz, das Könige begehrten, für das Kriege geführt wurden. Und das heute noch genauso hergestellt wird wie damals. Schicht für Schicht.
Manches verändert sich nicht. Und das darf auch sein.
Das Resort bei Nacht
Widerstand und Körper
Nach drei Wochen entwickle ich einen handfesten Widerstand gegen den durchgetakteten Tagesablauf. Er nervt mich regelrecht. Ich, die jahrelang selbst alles strukturiert hat, rebelliere innerlich gegen die Struktur.
Ich bleibe trotzdem dran. Und merke: Es ist gut so. Ich bin bereit für zu Hause.
Und: ich vermisse Käse. Einen richtig schönen Hartkäse.
Parallel passiert etwas Entscheidendes: Meine Hüfte wird besser. Die Beschwerden, die mich seit Jahren begleitet haben, lassen spürbar nach. Das Gewicht, das ich durch die Menopause zugelegt hatte, verschwindet. Meine Medikation ist darauf ausgelegt, meinen Hormonhaushalt zu harmonisieren, ganz natürlich, ohne künstliche Hormone. Mein Körper wird dabei unterstützt, sich selbst zu regulieren.
Und er kann das. Richtig gut.
Das Vertrauen in meinen eigenen Körper ist vielleicht das größte Geschenk dieser Reise.
Heimreise
Die Heimreise ist unspektakulär, und das ist wunderbar. In Dubai hat sich alles auf die aktuelle Situation eingespielt. Nach 24 Stunden komme ich in Heidelberg an. Mit leichterem Körper, ruhigerem Nervensystem, klareren Visionen. Und dem festen Vorhaben, als erstes einen richtig guten Hartkäse zu kaufen.
Was bleibt
Was ich aus vier Wochen Sri Lanka mitnehme, hat sich nicht als Gedanke in mir festgesetzt. Es ist eine gelebte Erfahrung:
Wenn wir wirklich wachsen wollen, dürfen wir keine Ebene auslassen.
Emotional. Im Unbewussten. Mental. Und körperlich. Ich habe das nicht nur verstanden, ich habe es gespürt. In jeder Ölmassage, in jedem Pranayama, in jedem Moment, in dem mein Körper etwas losgelassen hat, das mein Kopf längst glaubte verarbeitet zu haben.
Der Körper erinnert sich. Und er kann loslassen, wenn wir ihm den Raum dafür geben.
Der Weg nach vorn ist der Weg nach innen.
Das ist mein Leitsatz, und vier Wochen Sri Lanka haben ihn noch einmal tief in mir verankert. Nach innen führt nicht nur durch den Kopf. Nach innen führt durch alle Ebenen.
Der Funke in Dir wartet nicht im Kopf. Er wartet im Ganzen.
Lass Deinen Funken leuchten ✨
Anja
Mehr Bilder findest Du in meiner Sri Lanka Galerie.
Mit Dank an die tollen Menschen aus dem Barberyn Beach Resort in Weligama für die wunderbare Zeit und an das großartige Team von Ayurveda & Yoga Travel für die professionelle Begleitung dieser Reise.
Diese Ayurveda Kur wurde mehrere Monate großartig vorbereitet und begleitet durch Gabriele Braun, Gründerin und Leiterin der Praxis für Ayurveda Medizin in Heidelberg.
Hinweis: Diese Empfehlungen sind unbezahlt und unbeauftragt. Ich habe Resort, Reisebüro und Praxis selbst gebucht und bezahlt. Es bestehen keine Affiliate- oder Provisionsverbindungen.